Topathleten hoffen auf Olympiateilnahme

Von Peter Middel (FLVW)

Das Regenrisiko am letzten Tag des Jahres beträgt im Raum Soest null Prozent. Daher wird dem Laufspaß beim Silvesterlauf von Werl nach Soest über 15 Kilometer am letzten Tag des Jahres nichts im Wege stehen.

Die Traditionsveranstaltung, die in diesem Jahr bereits zum 38. Mal ausgetragen wird, erfreut sich weiter großer Beliebtheit, denn erwartet Organisator Ingo Schaffranka mehr als 5.000 Läuferinnen und Läufer. „Wenn das Wetter mitspielt, und danach sieht es aus, werden wir uns am Veranstaltungstag sicherlich noch über viele Nachmeldungen freuen können,“ zeigt sich Schaffranka optimistisch.

Bei den Männern wird es auf jeden Fall einen neuen Sieger geben, denn Vorjahressieger Amanal Petros (TV Wattenscheid) gönnt sich nach seinem hervorragenden Marathondebüt am 1. Dezember im spanischen Valencia, bei dem er mit ausgezeichneten 2:10:29 Stunden die Norm für die Olympischen Spiele in Tokio um über eine Minute unterbot, eine verdiente Verschnaufpause. Deutschlands schnellster Marathonläufer in diesem Jahr wird auf der 15km-langen Strecke würdig vertreten durch seinen Teamkollegen Hendrik Pfeiffer, der am 13. Oktober beim Köln-Marathon in 2:15:19 Minuten als souveräner Sieger allen davon lief. Trotz dieses überlegenen Triumphs kam bei dem 27-jährigen Journalistik- Studenten in der Domstadt nicht die große Freude auf, denn er verfehlte die Vorgabe für Tokio um 3:49 Minuten.

Den Schützling von Wattenscheids Coach Tono Kirschbaum wirft das trotz aller Enttäuschung jedoch nicht aus der Bahn. Er arbeitet weiter mit großer Beharrlichkeit an seinem großen Ziel Olympische Spiele 2020. Der Wattenscheider hat seinen sportlichen Lebenstraum nämlich noch nicht erfüllt, denn 2016 konnte er trotz erfüllter Qualifikationsnorm verletzungsbedingt nicht an den Spielen in Rio teilnehmen.

Wenn man einen Blick in die Teilnehmerliste wirft, dann ist Hendrik Pfeiffer auf der 15km-langen Strecke klarer Favorit. Der Vorjahreselfte Sebastian Schär vom Laufladen Paderborn, Timo Böhl (LG Wittgenstein) und Manuel Goerlich (LSF Münster), die aufgrund ihrer persönlichen Bestzeiten für einen der vorderen Plätze in Frage kommen, dürften den Wattenscheider nicht gefährden. Allerdings muss man bedenken, dass sich erfahrungsgemäß einige leistungsstarke Läufer noch spontan zu einer Nachmeldung ab dem 30. Dezember entscheiden.

Bei den Frauen möchte Fabienne Königstein (MTG Mannheim), die 2018 noch unter ihrem Mädchennamen Amrhein startete, den Hattrick schaffen, denn sie gewann bereits bei den letzten beiden Auflagen. Allerdings musste die EM-Elfte im Marathonlauf in diesem Jahr ihre Ziele zurückstecken, denn wegen einer Stressfraktur des rechten Fersenknochens war sie stark gehandicapt. „Werl/Soest“

bildet daher für sie eine wichtige Standortbestimmung: „Nach meiner langwieriger Verletzung ist der Silvesterlauf für mich in diesem Jahr der Einstieg in meine Vorbereitung für meinen Frühjahrsmarathon, denn ich habe nach wie vor die Hoffnung, dass ich aktiv in das Rennen um die Olympiatickets eingreifen kann.“ Allerdings will die sympathische Mannheimerin zum Jahreswechsel keine überzogenen Erwartungen wecken: “ Ich steige erst jetzt wieder so richtig in mein Training ein. Daher habe ich in den letzten Wochen erst einmal Grundlagen im Athletikbereich gelegt. Mal schauen, was dabei herumkommt.“ Zurzeit kann die 27-jährige Studentin der Molekularbiologie wieder 90 Prozent ihres gewohnten Trainings absolvieren.

Fabienne Königsteins Hauptkonkurrentin ist Laura Hottenrott (TV Wattenscheid), die den Silvesterlauf bereits zweimal, 2015 und 2016, gewann. Hinter der 27-jährigen Wattenscheiderin liegt ebenfalls kein einfaches Jahr, denn aufgrund von Fersenproblemen konnte sie 2019 ihre hochgesteckten Probleme nicht realisieren. Die EM-Teilnehmerin von 2018 will im neuen Jahr wieder angreifen und strebt wie Fabienne Königstein die Olympia-Teilnahme an.

Recht weit vorn erwartet man bei „Werl/Soest“ auch Kerstin Schulze Kalthoff (LG Rosendahl), die erstmals bei Werl/Soest startet. Ihr bisher längster Wettkampf ging über zehn Kilometer. Ihre Form ist gut, denn mit der Zeit von 36:38 gewann die 21-jährige zuletzt den Nikolauslauf in Hamm.

Recht weit vorne erwartet man auch Julia Kümpers (Aachener TG), die genau wie Fabienne Königstein und Laura Hottenrott dem Jahrgang 1992 angehört. Die Aachenerin gewann in den vergangenen drei Jahren jeden Silvesterlauf, an dem sie teilnahm. Nach Münster 2016, Bonn 2017 und Aachen 2018 kann sie auch in Soest auf dem Treppchen stehen.

Neben dem Sport spielt beim Silvesterlauf Werl/Soest, der der größte dieser Art in Deutschland ist, in diesem Jahr auch der Charity-Gedanke wieder eine wichtige Rolle. Wie im Vorjahr erhalten die Siegerin und der Sieger eine Prämie von jeweils 1000 Euro. Dieses Geld werden beide für wohltätige Zwecke zur Verfügung stellen, wobei sie die Projekte selber bestimmen können. Zudem kommt ein Teil des Startgeldes aller Läuferinnen und Läufer der Stiftung Gutes Erlaufen zugute. In den letzten Jahren sammelte die Silvesterläufer mehr als 1,4 Millionen Euro an Spendengeldern.

Für Kurzentschlossene besteht am 30. und 31. Dezember im Rahmen der Sport- und Fitnessmesse Sport Live in der Werler Stadthalle die Möglichkeit zur Nachmeldung für den Sparkassen-Silvesterlauf Werl – Soest. Die Nachmeldung erfolgt gegen Barzahlung. Am 30. Dezember kann während der Öffnungszeit der Messe von 10 Uhr bis 19 Uhr gemeldet werden. Am Veranstaltungstag können sich Interessierte bis zu einer halben Stunde vor dem jeweiligen Event noch nachmelden. Nachmeldungen für die 5 Kilometer-Strecke sind am Silvestertag nur noch in der Schützenhalle in Ampen möglich (10 Uhr – 12:45 Uhr). (Am 30. kann für Ampen auch in Werl gemeldet werden) Wer sicher gehen möchte, dass seine Kleiderbeutel noch mit auf den Transfer nach Soest gelangen, sollte sich möglichst früh nachmelden.

Fabienne Königstein möchte 2020 zu den Olympischen Spielen nach Tokio. – Foto: Peter Middel